Ölpreis Verfall Für Putin bleibt der Westen der Bösewicht
Genau wie in den englischen Pinewood-Studios sind auch im Kreml die Feindbilder unerschütterlich. In seiner Rede zur Lage der Nation machte ein anderer Spion, Wladimir Putin, darauf aufmerksam, dass der Ukraine-Konflikt und der Streit um die Krim nur ein Vorwand für den Westen waren, um sich gegen Russland in Stellung zu bringen. Der Aufstieg seines Landes mache nämlich den Westen nervös, daher die Sanktionen: „Jedes Mal, wenn jemand glaubt, dass Russland zu stark, zu unabhängig geworden ist, werden sofort diese Instrumente angewendet.“ Ohne die Ukraine-Krise „hätten sie sich einen anderen Vorwand ausgedacht, um die wachsenden Möglichkeiten Russlands einzudämmen“, erklärte Putin vor der Duma. Er bekräftigte in der im Staatsfernsehen ausgestrahlten Rede, dass sich sein Land „nicht der Unterwerfungspolitik des Westens“ beugen werde.
Erwartungsgemäß spielte der Kalte Krieger die russische Wirtschaftskrise herunter: Das Geschäftsklima habe sich „sehr gut entwickelt“, dennoch wolle man die Investitionen anschieben und neue steuerliche Anreize schaffen. Reuigen Kapitalflüchtlingen wolle man Amnestie gewähren – wenn sie ihr Geld zurück zu Mütterchen Russland transferieren.
Dass Putin in der Rede zur Lage der Nation markige Worte wählte, um von der prekären Lage seines Landes abzulenken, war von Beobachtern bereits erwartet worden. Gerade erst hatte das Ende des South-Stream-Projekts für Negativschlagzeilen gesorgt. Putin muss sich sorgen, dass seine Staatsfinanzen in noch größere Turbulenzen geraten, nun, da die OPEC ihre hohe Fördermenge beibehalten will. Und gleich machte noch eine für Russland schlechte Nachricht die Runde: Saudi-Arabien stellt sich darauf ein, dass der Ölpreis um weitere zehn Dollar je Barrel fallen könnte. Der OPEC-Primus geht davon aus, dass sich der Preis bei 60 Dollar stabilisieren werde, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider.
Denn mit diesem Preisniveau könnten sowohl die Saudis als auch andere Produzenten am Persischen Golf leben. Grund für den Preisverfall ist die zunehmende Produktion von Schieferöl in den USA – sie führt zu einem Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt und drückt die Preise. Seit dem Sommer ist der Ölpreis um mittlerweile 40 Prozent eingebrochen – und diese Tendenz könnte in den kommenden Wochen und Monaten beibehalten werden. Bei 60 Dollar aber wäre für die OPEC die Untergrenze erreicht, dann würde man wieder handeln, also die Fördermenge drosseln.
Durch diesen Preiskampf will Saudi-Arabien seine Marktanteile sichern: Die Schieferöl-Produktion in den Vereinigten Staaten lohnt sich nur, wenn Öl teuer ist. Sollte der Ölpreis weiter fallen, könnte also ein Teil der neuen Produktion in den USA unprofitabel werden.
Ein Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärte „Focus Online“, dass die tatsächlichen Förderpreise zum Teil deutlich unter den Beträgen lägen, bei denen Gewinne erzielt werden. Bei den Golfstaaten lägen die Produktionspreise bei 10 bis 17 Dollar je Barrel und Russland müsse 15 bis 21 Dollar aufwenden. Kritischer sei die Situation in den USA: Bei dem mit unkonventionellen Methoden (z.B. Fracking) gewonnenen Rohöl seien Kosten von zirka 70 Dollar je Barrel anzusetzen.
Russland und sein Staatshaushalt sind also ein Opfer des im Westen herrschenden Preiskampfs. Dahinter steckt weniger Ideologie als schlichtweg Marktwirtschaft. Die reinen Bösewichte findet man nämlich meistens nur auf der Kinoleinwand. Quelle: OILCO Research
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