Witterung und Moratorium verändern Energiebilanz
Daten für erstes Halbjahr / Anteil der Kernenergie wird einstellig / Mehr Erneuerbare
Der Energieverbrauch in Deutschland wurde in den ersten sechs
Monaten des laufenden Jahres durch die warme Witterung, das Kernenergie - Moratorium
sowie den Anstieg der Ölpreise geprägt. Der Gesamtverbrauch verminderte sich gegenüber
dem Vorjahreszeitraum um rund 3 Prozent. Der Beitrag der Kernenergie zur Deckung des
Energieverbrauchs sackte unter die Marke von 10 Prozent. Der Stromaustauschsaldo weist
seit Mai einen deutlichen Einfuhrüberschuss aus. Ohne den Witterungseffekt wäre der
Energieverbrauch schätzungsweise um ein Prozent gestiegen.
Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) erreichte
der Verbrauch an Primärenergieträgern bis Ende Juni insgesamt 6.869 Petajoule (PJ) oder
234,4 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Massiv beeinflusst wurde der
Energieverbrauch durch die im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Temperaturen. Der
Witterungseinfluss überdeckte damit Verbrauchszuwächse infolge der weiterhin positiven
Konjunkturentwicklung.
Der Mineralölverbrauch verminderte sich insgesamt um knapp 1 Prozent. Hohe Preise und
der milde Witterungsverlauf ließen den Bedarf an leichtem Heizöl um knapp ein Viertel
einbrechen. Dem stagnierenden Absatz an Otto - und Flugkraftstoffen stand ein moderater
Anstieg beim Diesel gegenüber. Der gute Konjunkturverlauf in der Petrochemie erhöhte die
Nachfrage nach Rohbenzin und anderen Mineralölprodukten.
Der Erdgasverbrauch sank um über 8 Prozent. Die witterungsbedingten Verbrauchsrückgänge
der Privathaushalte konnten durch den konjunkturbedingt höheren Erdgaseinsatz in
der Industrie nicht ausgeglichen werden. Der Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken lag
unter dem des Vorjahreszeitraumes.
Der Verbrauch von Steinkohle verringerte sich um etwas mehr als ein Prozent. Während der
Einsatz in Kraftwerken um gut 3 Prozent abnahm, steigerte die Stahlindustrie ihren Bedarf um
rund 2 Prozent. Der Verbrauch an Braunkohle lag um 1,1 Prozent über dem Vorjahrszeitraum.
Zuwächse gab es sowohl in der Stromerzeugung wie auch bei den Veredlungsprodukten.
Die Kernenergie verminderte ihren Beitrag zur Energiebilanz der ersten sechs Monate um 15
Prozent. Nach Inkraftsetzung des Moratoriums Mitte März verringerte sich die Stromerzeugung
aus Kernenergie um 36 Prozent. Der Anteil der Kernenergie am Primärenergieverbrauch
sank auf 9,3 Prozent und damit erstmals seit 25 Jahren in den einstelligen Bereich.
Die erneuerbaren Energien legten im ersten Halbjahr insgesamt um 1,6 Prozent zu. Während
die Windkraft ihren Beitrag um rund 13 Prozent steigerte, sank der Beitrag des Wassers
(ohne Pumpspeicher) um knapp 10 Prozent. Die Fotovoltaik verzeichnete weiterhin kräftige
Zuwachsraten im hohen zweistelligen Bereich. Der Anteil aller erneuerbarer Energien am
gesamten Energieverbrauch stieg leicht an und betrug zur Jahresmitte 10,2 Prozent.
Quelle: AGEP
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