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16. Januar 2015

Was der niedrige Ölpreis für die Zukunft des Frackings bedeutet

Als im Herbst 2014 der Ölpreis bei etwa 80 Dollar pro Barrel lag, erklärte die amerikanische Energieagentur EIA, dass sich an diesem Punkt bereits 4 Prozent der US-Schieferölproduktion nicht mehr rentieren würden. Und wie sieht es jetzt aus, wo gar die Schwelle von 50 Dollar deutlich unterschritten wurde? Hier lohnt sich ein Blick auf eines der größten Schiefer-Vorkommen der Erde: die Bakken-Formation, das Rückgrat der amerikanischen Schieferindustrie. Diese gewaltige geologische Besonderheit erstreckt sich unter den Bundesstaaten North Dakota und Montana und in dieser Woche wurde hier Bilanz gezogen, wie sich die Ölpreis-Entwicklung auf die zahlreichen Förderer vor Ort auswirkt.
Wie Lynn D. Helms, der Direktor des Amtes für mineralische Bodenschätze von North Dakota, mitteilte, hat sich die Anzahl der Förderstätten in diesem Bundesstaat auf 183 verringert, das sind 16 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Dabei wurden vor allem die Bohrlöcher am Rand der Formation aufgegeben, da die Förderung im Kernbereich von Bakken noch immer günstiger zu bewerkstelligen ist – hier rentiert sich die Produktion noch bei einem Ölpreis von etwa 40 Dollar.
Helms erklärte auch, dass die derzeit in dem Bundesstaat geförderten 1,2 Millionen Barrel pro Tag auch weiterhin erreicht werden könnten, wenn nur noch 130 Förderstätten in Betrieb wären. Allerdings geht er davon aus, dass sich die Zahl der Förderanlagen bis zum Frühjahr auf 120 verringern könnte. Und wenn sich der Ölpreis mittelfristig im niedrigen 40-Dollar-Bereich einpendelt? Dann wird sich North Dakotas Fördermenge bis zum Juli 2015 auf etwa 1 Million Barrel pro Tag verringern, im Juli 2016 dürfte sie dann noch höchstens 875.000 Barrel pro Tag betragen.
Die immense Rolle, die die Bakken-Vorkommen mittlerweile für die USA spielen, zeigt sich auch in dieser Zahl: Wie das US-Energieministerium bekannt gab, stammten zum Jahresende 2013 etwa 44 Prozent des in den USA verbrauchten Gases aus der Bakken-Region – zum Jahresbeginn 2010 waren es nur 7 Prozent. Doch bereits im vergangenen Sommer wies das Ministerium auch auf den damals schon tobenden Preiskampf unter den unkonventionellen Förderern hin: Eine Statistik hatte ergeben, dass 127 größere Öl- und Gasunternehmen seit 2010 deutlich mehr in die Förderung investiert hatten, als sie einnehmen konnten. Schon damals zeichnete sich also eine drohende Marktbereinigung ab.
Auf dem Spiel steht vor allem die Erschließung neuer Bohrlöcher, sie rentiert sich, wie Lynn Helms betonte, je nach geografischer Lage bei einem Ölpreis zwischen 29 und 70 Dollar. Um die derzeitige Fördermenge North Dakotas von 1,2 Millionen Barrel pro Tag aufrecht zu erhalten benötige man einen Ölpreis von etwa 55 Dollar. Davon sind wir derzeit aber weit entfernt.
Es spricht also vieles dafür, dass der Fracking-Boom in den USA und bei den Ölsanden in Kanada in den kommenden Monaten an Schwungkraft verlieren dürfte. Damit ginge das Kalkül Saudi-Arabiens auf, dass den Nordamerikanern wieder Marktanteile abjagen möchte.
Das Königreich selbst hat durch den niedrigen Ölpreis nämlich kaum Probleme – sein Auslandsvermögen beläuft sich auf mehr als 700 Milliarden Dollar. Und die Saudis wissen auch: Je länger sie ihre derzeitige hohe Produktionsquote beibehalten und fördern, was das Zeug hält, desto stärker wird anschließend der Ölpreis wieder steigen. Quelle: OILCO Research


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