Setzt China dem Ölpreis Verfall ein Ende
Das Reich der Mitte ist ohnehin der große Gewinner des Ölpreis-Verfalls: China ist einer der wichtigsten Energie-Verbraucher des Planeten und es muss gut 60 Prozent seines Öls importieren, umso stärker profitiert man hier vom derzeitig niedrigen Preis. Jetzt liegen auch neue Zahlen über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vor – demnach wuchsen die chinesischen Exporte im Dezember mit durchschnittlich 9,7 Prozent deutlich stärker als angenommen. Noch im November lag die Wachstumsrate bei lediglich 4,7 Prozent. Dieser positive Trend schlug sich unmittelbar bei seinen Ölimporten nieder – mit 30,4 Millionen Barrel wurde im vergangenen Monat sogar ein neuer Rekordwert erreicht. Im gesamten Jahr 2014 importierte China 310 Millionen Barrel Rohöl, auch diese Marke ist ein neuer Rekord.
Allerdings sind diese ermutigenden Signale noch nicht an den Ölmärkten angekommen – der Preisverfall hält weiter an: Heute morgen verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee auf 46,50 Dollar je Barrel und markierte damit den dritten Tag in Folge ein Sechsjahrestief. Ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) vergünstigte sich um 73 Cent auf 45,33 Dollar. Schon gestern waren die Ölpreise um mehr als zwei Dollar gefallen. Seit dem vergangenen Sommer sind die Preise damit um fast 60 Prozent eingebrochen.
Unterdessen wächst das Überangebot an den Weltmärkten. Das globale Ölangebot soll nach Expertenmeinung in diesem Jahr um zwei Millionen Barrel pro Tag steigen. Demgegenüber jedoch wächst die Nachfrage um nur eine Million Barrel pro Tag. Mit der anhaltenden Überproduktion wollen vor allem die wichtigen Ölproduzenten vom Arabischen Golf der stark wachsenden Schieferölindustrie in den USA mit niedrigeren Preisen einen Dämpfer verpassen. Und ein Ende dieses Trends ist erst einmal nicht abzusehen: Am Montag bekräftigte ein Regierungsvertreter aus Abu Dhabi, dass das Emirat trotz der Preisentwicklung an seinen Plänen zum Ausbau der eigenen Ölproduktion festhalten wolle. Gerade das Verhalten der OPEC-Mitglieder aber beeinflusst maßgeblich das derzeitige Überangebot: Während die USA nur 4 Prozent des weltweiten Bedarfs exportieren, produziert (und exportiert) das Kartell gut 40 Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben sich durch die Schieferöl-Produktion zum wichtigsten Akteur auf dem Rohölmarkt entwickelt – kein Wunder, wird doch die Erschließung unkonventioneller Quellen immer einfacher, manchmal ist dies binnen Tagen möglich. In den vergangenen sechs Jahren wuchs die US-Ölproduktion dementsprechend um beeindruckende 80 Prozent. Allerdings benötigen diese Schieferöl-Förderer einen Ölpreis zwischen 50 und 70 Dollar, um zumindest die Kosten abzudecken. Vieles spricht dafür, dass im kommenden halben Jahr die Fördermenge der Vereinigten Staaten noch wachsen wird – doch dann dürfte Schluss sein. Bereits heute stellen zahlreiche Investoren die neuen Schiefer-Projekte auf den Prüfstand.
Das Überangebot wächst auch dadurch, dass andere Ölproduzenten – wie etwa Libyen – an die Märkte zurückkehren. Das gleiche könnte für den Iran gelten, falls das Nuklearabkommen zustände käme. Noch also dürfte der Ölpreis niedrig bleiben: Für viele Verbraucher heißt es deshalb: Der Tank muss jetzt aufgefüllt werden, auch wenn er noch zur Hälfte voll ist. Im Sommer könnte es teurer werden, wenn die Weltkonjunktur dank des Motors China wieder anzieht. Quelle: OILCO Research
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