Nach dem Streit Gipfel in Wien Was Kim Jong Un Google und die OPEC gemeinsam haben
Mit Machtmonopolen ist das so eine Sache: Vetternwirtschaft ist in zivilisierten Ländern als rückständig verschrien – da kann Nordkoreas Diktator Kim Jong Un seiner kleinen Schwester noch so einen netten Posten im Zentralkomitee seiner Partei verschaffen, sein Ruf wird dadurch nicht besser. Monopol-verdächtig ist auch Google, kein Wunder, dass eine Mehrheit des EU-Parlaments dafür stimmte, das Suchmaschinengeschäft des Konzerns gegebenenfalls von anderen Unternehmensbereichen abzutrennen. Wie schlagkräftig so eine „nicht bindende Resolution“ der Brüsseler am Ende sein mag, sei hier mal dahingestellt.
Ebenfalls unter Monopolverdacht steht seit Jahrzehnten die OPEC. Hat das Kartell nicht in den vergangenen Jahren Politik gemacht, indem es den Ölpreis nach Belieben – also durch Drosselung oder Steigerung der Fördermenge – bestimmen konnte? Fiel nicht das mächtige Sowjetreich auch unter der Last eines politisch niedrig kalkulierten Ölpreises? Mag ja alles sein. Doch seit dem Ausbruch der Schiefer-Revolution in den USA schwindet auch der Einfluss der OPEC und vor allem Saudi-Arabien, der Kartell-Primus, wehrt sich dagegen.
Heute traf sich die OPEC in Wien, denn die Organisation der Öl-Exporteure steht mit dem Ölpreisverfall unter Druck. Ein möglicher Ausweg wäre es gewesen, wenn die Öl-Länder die Förderung verknappen und den Rohstoff damit künstlich verteuern würden. Durch ein Überangebot am Weltmarkt ist der Preis für Rohöl seit dem Juni um gut 30 Prozent gefallen. Donnerstagmorgen, vor dem Beginn des OPEC-Gipfels, kostete ein Barrel der Sorte Brent (mit Lieferung im Januar) nur noch 76,44 US-Dollar, in der Nacht zuvor erreichte der Brent-Preis bei 76,28 Dollar den tiefsten Stand seit September 2010. Auch die Sorte WTI erreichte mit 72,61 Dollar je Barrel ebenfalls einen neuen Tiefstand.
Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass sich die OPEC-Länder auf eine Förderkürzung einigen. Neben Russland (nicht in der OPEC) sprachen sich auch OPEC-Mitglieder wie Venezuela, Oman, Ecuador und der Iran für eine Mengenbegrenzung aus. Bei ihnen allen schmelzen mit dem sinkenden Ölpreis auch die Staatseinnahmen dahin. Zurzeit produziert das Kartell offiziell 30 Millionen Barrel pro Tag, dieser Wert wurde seit nunmehr drei Jahren nicht mehr verändert. Doch nicht alle Mitglieder halten sich an die Quoten. Wie die Internationale Energieagentur (IEA) feststellte, fördert das Kartell täglich 500.000 Barrel mehr als eigentlich vereinbart.
Und es ist ja nicht so, dass wir nicht vom dem Niedrigpreis beim Öl profitieren, das gilt vor allem für Industrienationen ohne eigene nennenswerte Öl-Vorkommen. Die Großbank Unicredit hat errechnet, dass allein in Deutschland die Unternehmen und die privaten Haushalte dadurch im kommenden Jahr 35 Milliarden Euro sparen könnten. Das drückt die Inflationsrate und soll laut Commerzbank das deutsche Wirtschaftswachstum 2015 um 0,2 Prozentpunkte steigern.
Wir gewinnen also von dem weltweiten Überangebot (genau wie China übrigens). Das liegt allerdings nicht nur an der boomenden Schieferöl-Produktion in Nordamerika, sondern auch an der stotternden Nachfrage, die wegen der flauen Konjunktur weltweit sinkt oder kaum wächst. Das sah vor der Finanzkrise noch ganz anders aus: Anfang 2008 verbrauchten die USA, die EU und Japan gemeinsam noch 42 Millionen Barrel pro Tag, heute sind es nur noch 36 Millionen. Damals hatte der Ölpreis zum ersten Mal die Marke von 140 Dollar pro Fass geknackt, so mancher Experte sprach bereits von einem Barrel-Preis von 200 Dollar. So kann man sich täuschen.
Schon vor dem Beginn des OPEC-Gipfels hatte der saudische Ölminister Ali Al-Naimi mitgeteilt, dass eine Kürzung der Produktion nicht erforderlich sei – denn der Markt werde sich von selbst stabilisieren. „Warum sollte Saudi-Arabien kürzen?“, fragte Al-Naimi und fügte hinzu: „Die USA sind mittlerweile auch ein großer Produzent. Sollten sie kürzen?“
Mit seiner harten Haltung, die Saudi-Arabien heute beim Gipfel an den Tag legte, könnte sich die Einigkeit innerhalb der OPEC ein für allemal erledigt haben. Die IEA hatte in ihren Prognosen vorhergesagt, dass Saudi-Arabien schon 2015 seine Rolle als Welthauptproduzent von Öl an die USA verlieren würde.
Das Machtmonopol der Saudis schwindet angesichts der neuen Weltordnung, die durch die Schiefer-Revolution in Nordamerika geschaffen wird. Da wird auch eine Blockade-Haltung nicht lange helfen. Ein jedes Monopol findet irgendwann sein Ende. Quelle: OILCO Research
« VorherigeNews-Archiv 2014Nächste »