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03. Februar 2015

Jetzt lehrt der niedrige Ölpreis die Branche das Fürchten

Rechnet man nämlich Kraftstoffe und Heizöl heraus, steigen die Verbraucherpreise eigentlich um 0,6 Prozent. So aber betrug die jährliche Inflationsrate im Januar minus 0,3 Prozent. Das Leben in Deutschland wird also billiger. Ausgelöst wurde der Preisrutsch beim Öl durch ein internationales Überangebot, zu dem die nur zögerliche Erholung der Weltwirtschaft und der US-Schiefergas-Boom maßgeblich beigetragen haben. Was aber bedeutet der niedrige Ölpreis für die Ölbranche?
Die ersten Signale sind schon mal verheerend: Der US-französische Konzern Schlumberger (Sitz: Houston, Texas), der sich auf Dienstleistungen rund um die Erdölförderung spezialisiert hat, streicht 9000 Jobs. Das sind etwa 7,5 Prozent aller derzeitigen Posten. Die Ölpreis-Krise wird so mehr und mehr zu einer Fracking-Krise. Vor dem Hintergrund des Ölpreis-Verfalls (über 50 Prozent seit dem vergangenen Sommer) sprach Schlumberger von „unsicheren“ Rahmenbedingungen, gegen die vorgegangen werden müsse. Halliburton und Baker Hughes, zwei Rivalen Schlumbergers, hatten bereits Mitte November aus Kostengründen ihre Fusion bekanntgegeben. Und ConocoPhillips, der drittgrößte US-Ölkonzern, will seine Investitionen in diesem Jahr um ein Fünftel kappen. Spannend wird es auch am kommenden Montag, dann legt Exxon Mobil seine Zahlen und Aussichten vor.
Dessen Konkurrent Shell hatte schon gestern deprimierende Neuigkeiten zu berichten: In den kommenden drei Jahren will der Mischkonzern seine Investitionen und sonstige Ausgaben um 15 Milliarden Dollar senken. 40 Projekte stehen jetzt auf dem Prüfstand. Die Shell-Aktien büßten nach Bekanntgabe dieser Prognosen vier Prozent ihres Wertes ein, auch weil das Quartalsergebnis hinter den Markterwartungen zurückblieb. Der Gewinn bei Shell brach im vierten Quartal 2014 um 57 Prozent auf 773 Millionen US-Dollar ein. Der Umsatz sank um rund 15 Prozent auf 94,2 Milliarden Dollar.
Unterdessen hatte BP vor wenigen Tagen seine Belegschaft (ca. 84.000 weltweit) mittels einer konzernweiten E-Mail informiert, dass in diesem Jahr alle Gehälter mit wenigen Ausnahmen eingefroren werden. Bereits im Dezember hatte das Unternehmen angekündigt, 2015 eine Milliarde Dollar in den Konzernumbau zu stecken, um wettbewerbsfähiger zu werden. Mitte Januar teilte BP dann mit, dass 200 Konzernarbeitsplätze und 100 Stellen von Subunternehmern gestrichen werden, die mit der Ölausbeutung in der schottischen Nordsee zusammenhängen – neben der Förderung durch Fracking in Nordamerika durchlebt also auch die wichtigste Ölförderregion Großbritanniens schwere Zeiten.
Eigentlich müsste BP im Gegensatz zu seinen Konkurrenten noch besser auf die derzeitige Branchenkrise vorbereitet sein: Der Konzern hatte bereits Vermögenswerte verkauft und die Ausgaben gesenkt, bevor die Preise sich seit Mitte vergangenen Jahres abgeschwächt haben. Nach der Katastrophe auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko 2010 hatte BP Vermögenswerte im Umfang von über 40 Milliarden Dollar verkauft und seine Öl- und Gasproduktion deutlich reduziert.
Doch nicht nur die Ölunternehmen im Westen haben mit dem Ölpreis-Verfall zu kämpfen – auch die staatliche saudi-arabische Ölgesellschaft Aramco bekommt mittlerweile Probleme. Inzwischen sei der Preis einfach „für alle zu niedrig“, sagte Aramco-Präsident Chalid al-Falih auf einer Wirtschaftskonferenz in Riad. Aramco ist der größte Rohölproduzent der Welt. Saudi-Arabien ist zugleich der größte Ölexporteur innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Doch trotz des Preisverfalls ist eine Drosselung der OPEC-Fördermenge weiterhin nicht zu erwarten.
Es sieht also so aus, als würden die deutschen Verbraucher weiter von den Niedrigpreisen profitieren können. Viele tanken jetzt erneut ihren noch (halbvollen) Heizöl-Tank auf – denn wer weiß, ob es sich die Scheichs nicht bald anders überlegen und ihre Fördermenge senken. Dann war’s das mit dem schönen Konjunkturprogramm. Quelle: OILCO Research


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