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06. Februar 2015

Gazprom Prozent weniger Gas nach Europa

Ende Mai 2014 stellte der damalige Energiekommissar Günther Oettinger einen Plan zur stärkeren Emanzipation vom russischen Gas vor: Europa solle seine Gasvorräte aufstocken, die Gasflüsse umkehren – und die Importe von Flüssiggas verstärken.
Nach den Wahlen zum EU-Parlament und der Bildung der neuen Kommission nahm Brüssel zudem das Projekt einer europäischen Energieunion in Angriff – sie soll den Verbund der Netze und die europäische Verhandlungsposition gegenüber Nicht-EU-Ländern stärken. Dabei geht es auch um die Diversifizierung der Energiequellen, so dass Europa in der Lage ist, rasch zu anderen Versorgungsquellen zu wechseln, falls der Preis für Energie aus dem Osten in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht zu hoch werden sollte. LNG dürfte dabei eine Schlüsselrolle zufallen. Entsprechend betonte die Internationale Energie-Agentur in ihrem „World Energy Outlook 2014“, dass die politische Komponente um Russland momentan die Transportform LNG besonders vorantreibe.
So setzen die besonders vom russischen Gas abhängigen Regionen Ost- und Südosteuropa 2014 verstärkt auf Flüssiggas, um ihre Versorgungssicherheit zu verbessern. Die Arbeiten an einem schwimmenden LNG-Terminal vor dem polnischen Swinemünde wurden intensiviert. Finnland und Estland beschlossen im November 2014, in den kommenden fünf Jahren eine gemeinsame LNG-Versorgung zu realisieren. Diese soll aus einem großen Terminal im südfinnischen Inkoo, einer Ostsee-Pipeline zum nordestnischen Paldiski und einer dortigen kleineren LNG-Anlage bestehen – die Gesamtkosten hierfür werden sich auf etwa 500 Mio. Euro summieren.
Ende Oktober 2014 legte vor Klaipeda (Litauen) der schwimmende Flüssiggashafen „Independence“ an. Das von Statoil betriebene LNG-Terminal (Speicherkapazität: 170.000 Kubikmeter) soll die wirtschaftliche und die politische Situation für das gesamte Baltikum verändern: 2015 wird die „Independence“ zunächst 17 Prozent des litauischen Gasbedarfs decken. Doch mittelfristig hat das 300 Meter lange Terminal das Potenzial, 75 bis 90 Prozent des gesamten Gasbedarfs aller baltischen Länder zu bedienen. Die bisherige Gasabhängigkeit des Baltikums von Russland wäre damit Makulatur.
Ein weiteres, lang aufgeschobenes LNG-Projekt wurde 2014 aufgrund der Ukraine-Krise wiederbelebt: die Errichtung eines Terminals im kroatischen Krk an der nördlichen Adria. Sechs Milliarden Kubikmeter sollen hier jährlich durchgeleitet werden. Eine Verdoppelung der Kapazität bei entsprechender Nachfrage wird mit eingeplant. US-Vizepräsident Joe Biden hatte mit Blick auf das Krk-Projekt betont: „Kroatien hat das Potenzial, ein regionaler Energie-Hub zu werden.“
Die europäischen Diversifizierungs-Bemühungen zeigten bereits erste Früchte: Der russische Energie-Riese Gazprom lieferte 2014 nach eigenen Angaben etwa 195 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland in die Europäische Union, die Türkei und die GU-Staaten. Das waren etwa 10 Prozent weniger als im Jahr 2013. Quelle: OILCO Research


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