Braunkohlenindustrie warnt vor Einseitigkeit und Desinformation
Köln - Der aus der Technikfolgenabschätzung stammende Ansatz, Gesundheitsrisiken durch Staubbelastungen über verlorene Lebenszeit zu bewerten, wird von der Umweltorganisation Greenpeace hinsichtlich seiner konkreten Aussagen und Interpretationsmöglichkeiten bewusst überdehnt. Das macht ein Vergleich zwischen der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Untersuchung der Universität Stuttgart und der daraus erstellten Greenpeace - Publikation deutlich. Aus Emissionen, deren Gesundheitsrisiken vor dem Hintergrund der gesamten Immissionsbelastung eher von nachrangiger Bedeutung sind, leitet Greenpeace Todesfälle ab, die letztlich sogar einzelnen Anlagen und Unternehmen zugeschrieben werden. Das ist irreführend, weil kein kausaler Zusammenhang zwischen lokalen Emissionen, großräumiger Luftqualität und konkreten Todesfällen hergestellt werden kann.
?Greenpeace behauptet das, was nicht ist, weil Greenpeace das, was ist, ändern möchte?, erklärte DEBRIV - Hauptgeschäftsführer Dr. George Milojcic. Desinformation ist ein klassisches, aber unlauteres Mittel der Politikbeeinflussung. Ein Beispiel für gezielte Desinformation ist der Bericht von Greenpeace zu gesundheitlichen Auswirkungen von Kraftwerksemissionen. Mit Bezug auf statistische Modelle aus der Risikoforschung konstruiert Greenpeace aus diffusen Risiken konkrete Todesfälle, die vermeintlich aus Feinstaubemissionen deutscher Kohlenkraftwerke resultieren. Die deutsche Braunkohlenindustrie sieht darin eine gezielte Desinformation, mit der Ängste geschürt werden sollen.
Der Täuschungsversuch in der Argumentation von Greenpeace besteht darin, dass der Unterschied zwischen einem theoretisch errechenbaren und einem faktisch vorhandenen Risiko verschwiegen wird. In der Greenpeace - Publikation wird ausgeblendet, dass sich die Luftqualität in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland maßgeblich verbessert hat. Dazu haben auch die Kohlenkraftwerke beigetragen, die ihre Emissionen sehr deutlich reduziert und an den gesamten Feinstaubemissionen nur noch einen Anteil von deutlich weniger als 10 Prozent haben. Der Beitrag an den gemessenen Immissionen an verschiedenen Örtlichkeiten ist noch geringer, weil großflächige und grenzüberschreitende Austauschvorgänge wirken. Auch im internationalen Vergleich sind die in Deutschland geltenden Anforderungen und die eingesetzten technischen Lösungen führend. Im Ergebnis hat sich die Luftqualität in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. Dies wird auch vom Umweltbundesamt in seiner Berichterstattung zur Luftqualität bestätigt.
Auch auf dem schwierigen Feld der Feinstäube wurden Fortschritte erzielt, wenngleich insbesondere in innerstädtischen und verkehrsbelasteten Bereichen erhöhte Belastungen auftreten. Diese wären allerdings auch dann nicht zu vermeiden, wenn man die Emissionen aus Kohlenkraftwerken auf Null reduzieren könnte. Es wundert kaum, dass in der einseitigen Argumentation von Greenpeace eine zentrale Aussage des zitierten Gutachters unterschlagen wird. Dieser führt in seiner Zusammenfassung aus, dass Untersuchungen zu Umwelt - und Gesundheitsauswirkungen in einen Abwägungsprozess einfließen müssen, bei dem auch andere Kriterien berücksichtigt werden.
Hierzu gehören bei der Stromerzeugung beispielsweise die Verfügbarkeit der Ressourcen, die Versorgungssicherheit, der technologische Entwicklungsstand und das Technologiepotenzial, die aktuellen und zukünftigen Kosten sowie die volks - , energie - und regionalwirtschaftlichen Aspekte. Der DEBRIV hat Greenpeace dringlich aufgefordert, auf die Ebene einer Sachdiskussion zurückzukehren. Quelle: AG Energiebilanzen
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