Ausgewählte Effizienzindikatoren zur Energiebilanz Deutschland Daten für die Jahre von bis
Die Beobachtung der Energieeffizienz durch die AG Energiebilanzen ist ein wichtiger Beitrag zum Monitoring der Energiewende in Deutschland. Methoden und Grundlagen zur Berechnung der Energiebilanz wurden im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums aufwändig erarbeitet. Auf diesen Grundlagen berechnet die AG Energiebilanzen regelmäßig aktuelle gesamtwirtschaftliche und sektorbezogene Statistiken zur Entwicklung der Energieeffizienz in Deutschland sowie Zeitreihen ab 1990.
2012 geringfügige Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Energieeffizienz trotz spezifischer Einsparungen beim Strom
Um Waren und Dienstleistungen im Wert von 1.000 Euro zu produzieren, wurden 2012 in Deutschland nur noch 5,6 Gigajoule (GJ) Primärenergie eingesetzt. Seit 1990 hat sich damit die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz um fast ein Drittel verbessert, im Jahresdurchschnitt der zurückliegenden 22 Jahre liegt der Effizienzzuwachs jetzt bei rund 1,8 Prozent pro Jahr. Bei Bereinigung um Witterungseinflüsse und Lagerbestandseffekte ergeben sich in der längerfristigen Betrachtung nur geringfügige Abweichungen gegenüber den beobachteten Werten. Die Werte für die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz beim Primärenergieverbrauch verbesserten sich durch Effizienzzuwächse im Stromerzeugungsbereich sowie Effizienzsteigerungen in anderen Sektoren der Energieumwandlung und - nutzung. In sektoraler Hinsicht liefern die Effizienzindikatoren ein differenziertes Bild.
Beim Stromverbrauch zeigen die Indikatoren im Jahr 2012 beim Bruttostromverbrauch je Einheit Bruttoinlandsprodukt eine Effizienzsteigerung von knapp 1 Prozent (verglichen mit dem Vorjahr); beim Pro - Kopf - Verbrauch spiegelt die geringere Effizienzsteigerung von 0,4 Prozent die Konjunkturentwicklung wider. Bei der Stromerzeugung sorgten neue Anlagen mit hohen Wirkungsgraden sowie die statistischen Effekte des Kernenergieausstiegs und des Ausbaus der erneuerbaren Energien für Effizienzsteigerungen von 1,5 Prozent und trugen letztendlich zu einer Senkung des spezifischen Energieeinsatzes auf 8,3 MJ je kWh Elektrizität bei. Der durchschnittliche Wirkungsgrad aller Stromerzeugungsanlagen lag 2012 in Deutschland bei 43,4 Prozent.
Die privaten Haushalte steigerten ihre Energieeffizienz je Quadratmeter Wohnfläche im Jahr 2012 (bereinigt um Witterungs - und Lagerbestandseffekte) um 2,9 Prozent. Während der Einsatz von Brennstoffen um 3,5 Prozent effizienter wurde, gab es beim Stromverbrauch nur eine Steigerung um 0,7 Prozent. Zwar hat sich die Energieeffizienz bei den privaten Haushalten seit 1990 um rund ein Fünftel verbessert. Der Jahresdurchschnittswert von 1,0 Prozent liegt deutlich unter den Effizienzzuwächsen der anderen Verbrauchssektoren und weist auf ein noch vorhandenes Effizienzpotential in diesem Bereich hin.
Im Sektor Gewerbe - Handel - Dienstleistungen (GHD) verschlechterte sich die Energieeffizienz bezogen auf 1000 Euro Bruttowertschöpfung 2012 um reichlich 2,5 Prozent. Ausschlaggebend dafür war der Einsatz von Brennstoffen, der bezogen auf 1000 Euro Bruttowertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent zunahm. Die Stromintensität nahm hingegen im gleichen Zeitraum um 1,8 Prozent ab. Seit 1990 konnte der Bereich seine Energieeffizienz im Jahresdurchschnitt um fast 2,3 Prozent verbessern und liegt damit bei der langfristigen Effizienzsteigerung der wichtigen Verbrauchssektoren auf Platz zwei hinter dem Verkehr.
Auch der Industrie ist es gelungen ihre Energieeffizienz (bezogen auf 1000 Euro Bruttoproduktion) 2012 geringfügig weiter zu verbessern. Im Gegensatz zu den anderen Verbrauchsbereichen lag der Schwerpunkt der Effizienzsteigerung hier allerdings beim Brennstoffeinsatz. Die Effizienz des Brennstoffeinsatzes erhöhte sich gegenüber 2011 um 2,1 Prozent. Dazu trug auch der vermehrte Rückgriff auf elektrische Energie bei. Der spezifische Stromverbrauch erhöhte sich verglichen mit dem Vorjahr um 3,7 Prozent. Die Gesamteffizienz der industriellen Produktionsprozesse verbesserte sich um 0,3 Prozent. Im langjährigen Jahresdurchschnitt kommt die Industrie bezogen auf den Ausgangswert des Jahres 1991 auf Effizienzzuwächse von gut 1,4 Prozent.
Der Verkehrsbereich konnte 2012 vorwiegend konjunkturbedingt nur einen geringen Effizienzzuwachs (+0,6 Prozent) verbuchen. Im langjährigen Jahresdurchschnitt erzielt dieser Verbrauchsbereich jedoch Effizienzverbesserungen von 2,9 Prozent.
Für den bereinigten Endenergieverbrauch als Ganzes ergibt sich insgesamt für das Jahr 2012 eine Verbesserung von 1,4 Prozent (bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt). Im langjährigen Durchschnitt seit 1990 ist für diesen Indikator eine Steigerung von 1,7 Prozent p.a. zu beobachten. Er liegt damit noch unter der Zielvorstellung der Bundesregierung, die für den Zeitraum bis 2050 eine Verbesserung der Energieproduktivität von 2,1 Prozent pro Jahr anstrebt.
Methodische und fachliche Anmerkungen
Die empirische und exakte Bestimmung der Energieeffizienz ist weder eindeutig noch einfach. Eine wesentliche Voraussetzung zur Bildung von Effizienzindikatoren sind verlässliche und aktuelle Energiestatistiken sowie Informationen zu den wichtigsten Einfluss - und Bezugsgrößen des Energieverbrauchs. Bei der Interpretation der Energieeffizienzindikatoren ist zu beachten, dass kurzfristige Entwicklungen auch von temporären statistischen Effekten beeinflusst werden können. Im längerfristigen Vergleich zeigen sich die stabilen Trends der Effizienzentwicklung deutlicher.
Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen veröffentlicht in regelmäßigem Abstand umfangreiche Daten zur Entwicklung des Energieverbrauchs in Deutschland, darunter vierteljährliche Schätzungen des Primärenergieverbrauchs, jährlich aktualisierte Auswertungstabellen zur Entwicklung des Energieverbrauchs nach Energieträgern und Wirtschaftszweigen sowie vollständige Energiebilanzen, die ein detailliertes und konsistentes Abbild der energiewirtschaftlichen Verflechtung einer Volkswirtschaft liefern und den Energieverbrauch vom Aufkommen über die Umwandlung bis zur Verwendung, untergliedert nach einzelnen Energieträgern und Sektoren, in einer Matrix erfassen. Für Deutschland liegt eine geschlossene Zeitreihe an Energiebilanzen für die Jahre von 1990 bis 2011 (vorläufig auch schon bis 2012) vor, die eine geeignete Ausgangsbasis zur Ableitung von Kennziffern zur Effizienz der nationalen Energieversorgung darstellen. Die Angaben für 2012 beruhen zum Teil auf vorläufigen Daten.
Kennziffer zur Messung der Energieeffizienz ist typischerweise die Energieintensität (oder, als ihr Kehrwert, die Energieproduktivität). Dazu wird der Energieverbrauch in Relation zu einer Bezugsgröße betrachtet. Zur Bildung geeigneter Effizienzindikatoren werden im Primär - , Umwandlungs - und Endverbrauch allerdings unterschiedliche Bezugsgrößen herangezogen, die die speziellen Einsatzbedingungen von Energie in den jeweiligen Sektoren widerspiegeln. Relevante Bezugsgrößen sind Bevölkerung, Bruttoinlandsprodukt, Produktionswert oder Bruttowertschöpfung. Diese Daten werden durch die amtlichen Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bereitgestellt.
Die vorliegende Darstellung konzentriert sich auf die wichtigsten Kenngrößen für jeden Bereich. In einigen Sektoren wird der Aussagewert durch eine Temperatur - und Lagerbestandsbereinigung spürbar erhöht, so dass für diese Bereiche zusätzlich zu den beobachteten auch bereinigte Kennziffern angegeben werden. Zusätzlich wird zu jedem Effizienzindikator die durchschnittliche jährliche Veränderungsrate angegeben. Die Effizienzkennziffern umfassen den Zeitraum ab 1990.
Die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz wird angegeben als Primärenergieverbrauch pro Kopf sowie das Verhältnis zwischen Energieverbrauch einerseits und Wirtschaftsleistung andererseits, hier gemessen als das Verhältnis von Primärenergieverbrauch zum realen Bruttoinlandsprodukt.
Um die Effizienz der Stromerzeugung zu messen, wird der Wirkungsgrad - definiert als das Verhältnis von Bruttostromerzeugung zum gesamten Energieeinsatz - herangezogen. Die Effizienz des Endenergieverbrauchs wird gebildet, indem der Endenergieverbrauch in Bezug zu Kennziffern wie Bevölkerung oder Bruttoinlandsprodukt gesetzt wird. Bei der Interpretation von Effizienzfortschritten auf der Ebene des Endenergieverbrauchs sind allerdings unabhängig von der Art der gewählten Bezugsgröße Besonderheiten zu beachten, die mit der unterschiedlichen Abgrenzung sowie statistisch - methodischen Unterschieden von Endenergie - und Primärenergieverbrauch bei der Energiebilanzierung in Zusammenhang stehen.
So spiegelt die auf dem Primärenergieverbrauch beruhende gesamtwirtschaftliche Energieintensität auch Effizienzfortschritte wider, die im Umwandlungssektor insbesondere durch die Erhöhung der Brennstoffausnutzung bei der Stromerzeugung oder durch den Ausbau der Kraft - Wärme - Kopplung erzielt werden. Der Indikator ?Endenergieeffizienz? enthält die verbrauchsmindernden Wirkungen, die in den Umwandlungssektoren realisiert werden, dagegen nicht. Außerdem wird die Entwicklung des Primärenergieverbrauchs von Veränderungen im Energiemix beeinflusst: Die im Rahmen der Energiebilanzierung verwendete Wirkungsgradmethode rechnet der Kernenergie - bezogen auf die Erzeugung einer Megawattstunde elektrische Energie - den dreifachen Einsatz an Primärenergie zu (Wirkungsgrad 33%). Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Windkraft und Fotovoltaik geht dagegen in die Primärenergiebilanz in Höhe ihrer Erzeugung ein (Wirkungsgrad 100 %).
Primärenergieeinsparungen sind vor diesem Hintergrund leichter zu erreichen als Verbrauchsminderungen beim Endenergieverbrauch. Zum einen werden auf der Ebene des Primärenergieverbrauchs die Effizienzbeiträge aller Wirtschaftszweige berücksichtigt, zum andern führt bereits die Substitution von elektrischem Strom aus Kernenergie oder fossilen Energien durch Strom aus erneuerbaren Energiequellen als Folge der skizzierten Bewertungskonvention zu einer statistischen Verringerung des Primärenergieverbrauchs. In der Verbrauchswirkung schwer abzuschätzen, aber zunehmend bedeutsam wird das Erfordernis, den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung durch konventionelle Regel - und Reserveenergien zu flankieren. Darüber hinaus können sich die gesamtwirtschaftlichen Effizienzkennziffern allein durch den intersektoralen Strukturwandel ? von energieintensiver Grundstoffproduktion hin zu energieextensiven Dienstleistungssektoren ? verbessern, ohne dass dem technische Effizienzverbesserungen zugrunde liegen.
Der Struktur der Energiebilanz folgend, wird die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Energieeffizienz des Endenergieverbrauchs durch eine Unterteilung nach Wirtschaftsbereichen ergänzt. Zur Ableitung aussagefähiger Effizienzindikatoren innerhalb dieser Teilbereiche werden jeweils sektorspezifische Bezugsgrößen herangezogen: Auf der Ebene der Industrie oder des Gewerbes wird eine wertmäßige Leistungsgröße, wie der Bruttoproduktionswert oder die Bruttowertschöpfung, als Bezugsgröße zur Ableitung der Energieeffizienz gewählt. Bei den Privaten Haushalten erscheint es zweckmäßig, als Effizienzindikator den spezifischen Energieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche heranzuziehen, da der größte Teil des Verbrauchs der Raumheizung dient. Im Verkehrssektor wird der Energieverbrauch typischerweise auf die Verkehrsleistung (in Tonnen - oder Personenkilometern) bezogen. Im motorisierten Individualverkehr, der nach wie vor den Energieverbrauch zu Verkehrszwecken dominiert, stellt der spezifische Kraftstoffverbrauch (in l/100 km) der Fahrzeugflotte bzw. der Neuzulassungen eine eher technisch determinierte, wenngleich allgemein anerkannte Effizienzkennziffer dar.
Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen wird klar, dass Energieeffizienz nicht ohne Weiteres mit wirtschaftlicher Effizienz gleichzusetzen ist. Zugleich gilt, dass eine verbesserte Energieeffizienz wichtige Beiträge zu allen drei zentralen Zielen der Energiepolitik ? Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit ? zu leisten vermag.
Energieintensität in Deutschland
Ausgewählte Kennziffern - 1990 bis 2012
Quelle: AG Energiebilanzen
« VorherigeNews-Archiv 2013Nächste »